15 März, 2006

Wien Meidling -Villach HBF, II

Bruck
Wir haben beide aufgesehen, als sich zu den zwei unseren Handpaaren noch ein drittes gesellen wollte. Er war jung, hatte irgendwie ein älteres Gesicht, sprach sehr leise. Er erinnerte mich schon im ersten gehörten Wort an die Person, die vor wenigen Stunden ich verabschiedet hatte. Ein scheuer Blick, nur gestreift, wie immer, der so schwache Händedruck, als würd' er sich ekeln, das kaum hörbare Verabschiedenswort selbst.
Auch dieser Charakter schwebte irgendwie (scheint, als ob ich auch) in Unsicherheit - weit setzte er sich weg, behielt uns aber im Auge, lachte oft mit im Augenwinkel.
Erstbegleiter fragte ihn nach seinem Weg und begann ihn einzubinden; langsam taute er auf und als es aber schon gen Leoben ging. Erstbegleiter wusste, er müsse hier umsteigen und Zweitbegleiter war auf dem gleichen Zielweg. So verließen mich also beide zur selben Zeit. Erstbegleiter schenkte mir ein herzliches Verabschieden, wir wussten, dass wir nach der Trennung noch selten einen Gedanken an den anderen verschwenden würden. Zweitbegleiter verließ meine Abteilwelt ohne sich umzudrehen.

In Leoben bin ich alleine. Doch am Bahnsteig vor dem Fenster warten genug der Nachfolger. Jetzt frag' ich mich, warum gerade er sich zu mir gesetzt hatte?

Er hatte einen gierigen Blick. Vielleicht war ich aber auch einfach nur müde und bildete mir ein dies in ihm zu lesen - aber ich war dennoch froh, als er in Knittelfeld - eine Station, die Ewigkeit schien - dem Zug wieder entstieg -. Freundlich habe ich ihn begrüßt und sein Rücklächeln war schmierig. Schnell fragte er, was ich mit dem Handy täte, was ich läse, woher ich käme, wohin ich führe, wer ich wäre (geniale Frage!). Ich beantworte alle Fragen, die Antworten wurden immer kürzer und dann versuche ich ihn zu ignorieren, will mich in andere Dinge flüchten. Locker ließ er nicht und ohne Grund wende ich mich ihm zu. Drei Jahre lebte er schon in Österreich - Linz -, gekommen aus dem Kosovo, seine Familie hinten gelassen. Gut sprach er das Deutsche, er kannte sich wohl aus, war aber dennoch in den falschen Zug gestiegen - nein, er führe nicht nach Salzburg, o traurig Zufall!-.
Ja, ich wäre bei meinem Freund gewesen - jetzt: was ging es ihn an?-, und ich wäre sehr verliebt, würde ihn vermissen.
Das Intervall ausgelöscht. Mit dem Verabschieden weitergeführt.
Meine Nummer sollte ich ihm geben - er würde mich anrufen, ich müsste nicht mehr nach Wien fahren, er würde mich besuchen kommen.
Was bin ich froh und erleichtert, als ich Knittelfelds Lichter fenstern seh... er musste aussteigen. Zum Spaße geb ich ihm eine Nummer -nicht die meine-, die meiner Mutter, kann ich sie doch auswendig und habe die Idee, meinen Vater abheben zu lassen, um dem Fleischling eine Lektion zu erteilen.

Zum Abschied reichten wir uns die Hände und erleichtert ausatmen kann ich erst, als die Abteilstür wieder geschlossen. Ich drossle das Licht, will keinen Menschen mehr sehen, bin enttäuscht des Menschentums.
Kann man so falsch, anders verstehen? Charly, der die Seele anregte, Mirko, dessen Seele ich nie finden hätte können, nur *ihn* anregte. Eine Hülse, wenn nicht aus der Tiefe gesteuert. Ich hasse ihn.
Er, -sie-, Symbol für die Illusionsberaubung, Menschen könnten kennen lernen wollen. Menschen, er, -sie-, kennen bereits.
Und ich sitze im Dunkeln.

08 März, 2006

Wien Meidling - Villach HBF, I

Ich haste zur Zugtüre, einerseits um dem Abschied hinter meinem Rücken zu entkommen, andererseits den Menschen um mich, deren jeden Einzelnen ich als potentiellen Platzräuber verdächtige. Vom Großraumwagen halte ich mich fern, weil ich in der Hoffnung ein Abteil für mich allein zu finden -ach hoffnungsloser Akt- weitergetrieben werde. So also zum nächsten Waggon, den Blick ja nicht zurückgedreht, aus eben der Angst, selbst mich umzudrehen und zurück in die Arme der Zukunft laufen zu müssen. Die Stufen erklommen und ohne Vorkämpfer mich durch den Abteildschungel geschält; eine ältere Frau - zu starrer Blick; ein Mann mittleren Alters - seine Jacke schreckt mich ab; ein leeres Abteil!.
Sofort hinein, mich an das Fenster gesetzt, aus der Jacke gehäutet, automatisch das Handy in den Schoß gelegt. Die Türe offen gelassen in Befürchtung, es werde sich der Raum noch füllen. Auch automatisch das Auspacken der Leberkässemmel, das Hineinbeißen und Hinunterschlucken - ich weiß nicht, schmeckte sie überhaupt?-, das Hineinstopfen des Papiers in den Mülleimer, der dadurch schon gefüllt, Trinken aus dem grüngelben Packerln Grüntee, der gluckernde Blick nach draußen.
Dann, eine Ewigkeit scheint es gedauert zu haben, das Tippseln mit pattschigen Pfoten einer Sms. Von der Stille erzählend, die so nagend ihre Zähne dir ins Fleisch bohren kann, wenn du unfähig bist ihr zu widersprechen.
Das dumpfe Dahingleiten des Zuges auf den schneegezuckerten Schienen hält auch jetzt, Stunden und Tage später, mich in seinem Bann.

Wiener Neustadt.
Angst, dass sich am gedrängt vollen Bahnsteig ein Begleiter meiner Stille herauskristallisieren könnte. Zu fröhliche Gesichter teils, teils zu leere. Immer versuchen aus dem Fenster zu schauen, ihnen nicht in die Augenhöhlen. Und dann, nachdem so viele Füße an mir vorbeigetrampelt waren, greift doch eine Hand nach dem Abteilstürgriff. Ich sehe scheu auf, die Tür wird aufgeglitten und ein junger Mann - 21 - schaut mich an, fragt fröhlich, ob noch frei wäre. Angesteckt lasse ich die Augen aufleuchten, lächle und gebe ein locker lässiges "Na klar!" von mir. Wieder ein gemeinsames Lachen, das Abschnallen seines Rucksacks, und -legen seiner Taschen. Wie nahm das Gespräch seinen Anfang? War es wirklich die Frage nach dem Vorhandensein eines Bordservices? Auf diese Frage hin erfuhr ich jedenfalls, dass er sehr durstig und auch hungrig wäre, da er nur knapp den Zug überhaupt erreicht und so keine Zeit zum Kaufen seiner Verpflegung gehabt. So greife ich neben mich, ziehe den Tee hervor und biete ihn ihm an, mit dem Begleitkommentar, dass er früher hätte kommen müssen, weil ich da noch etwas zu essen gehabt hätte. Würd' so ein Angebot ich jedem machen? Wohl nicht. Was also an ihm so 'wertvoll'? Er hatte ein hübsches Gesicht? Schöne Augen? Die freundliche Natur? Das Lachen, welches mich jetzt an einen alten Freund erinnert? Seine Aufmerksamkeit. Er nahm jede Bewegung wahr, erwiderte jedes kleinste Lächeln und war der erst im Zug Getroffene, dem meinen Zynimsus anzuvertrauen ich mich durchringen konnte - er reagierte locker, ging auf ihn sogar ein. Ich sprach mit ihm über Ossip Mandelstam, den er zwar nicht kannte, aber er mich doch in ein Gespräch über Literatur, Junst, Schule, weitere Berufsplanungen - Umweltengineering?- verwickeln konnte. Bald fragte er, ob er Musik machen sollte, hatter er schließelich seinen Laptop sich gegenüber liegen. Sofort bejahte ich und wir durchsuchten seine Ordner, bis es zu einem fröhlichen Musik- und Filmaustauschreigen kam, der meinen iDepp fast überforderte.
Wir sprachen über seine Freundin, meinen Freund, über Salzburg, Fernbeziehung und Grammatik.

Stillleben in Pfützen, XI

Bin ich selbst ein flacher oder ein runder Charakter? Bin ich ein Charakter? Bin ich - ich? Ja, nun auch ich, die ich in die Selbstsuche verfalle. So viele Fragen. Ist Lachen allein Beschwichtigungs-, oder Aggressionsgeste? Dessen Herkunft in diesen Bereichen unabstreitbar, aber alles?
Viel mehr sticht mir ins Herz, dass Lachen mir Trost gewesen, ist und sein wird - es kann ja nicht besser werden - Lachen hat mich vor Thränen bewahrt und nur die Türen zu anderen geöffnet. Lachen ermöglicht sich dahinter zu verstecken, ein Schild. Erhobenen Kopfes.

Verlegenheitslächeln. Oft. Aufgesetzt.
Aber würd' ich weinen, fände man doch Spuren hinter mir und könnte mich verfolgen, finden und in mein triefend Angesicht sehen...

... ich ziehe nur die Decke über den Kopf, so oft ich aus dem Haus gehe.

Kreise. Am hölzernen Fußboden - eine Maserung. Quer gestreift, aber unkontrollierbar.

17 Februar, 2006

Four to the floor

VIER JOBS IN MEINEM LEBEN:
1. Zu Belernende
2. Canidenretter
3. Zuhörer
4. Ich-Selbst-Seiende

VIER FILME DIE ICH IMMER WIEDER SEHEN KANN:
1. Requiem for a dream
2. Braveheart
3. Meaning of life
4. Pulp Fiction

VIER ORTE AN DENEN ICH GELEBT HABE:
1. Perfect
2. Plusquamperfect
3. Futur
4. Futur Exact

VIER TV-SERIEN DIE ICH SEHR GERNE SEHE:
1. Simpsons
2. Emergency Room
3. Home Improvement
4. Talk Talk Talk ;-)

VIER ORTE AN DENEN ICH URLAUB GEMACHT HABE:
1. Croatien
2. Amerika
3. Griechenland
4. Sterne

VIER MEINER LIEBLINGSGERICHTE:
1. Schinken-Käse-Toast
2. Tagliatelle verde con Scampi
3. McDonald's Fraß
4. Brot mit Salz ^^

VIER WEBSEITEN DIE ICH TÄGLICH BESUCHE:
1. http://www.e-stories.de
2. http://circulus-vitiosus.blogspot.com
3. http://flaubert-fr.livejournal.com/
4. http://www.ebay.at

VIER ORTE AN DENEN ICH JETZT LIEBER WÄRE:
1. Ketzergasse
2. Die Klippe auf Levkas
3. eine Bank am Danielsberg
4. im Regentropfen vor meinem Fenster

VIER BLOGGER DIE DAS MITMACHEN SOLLEN:
1. Gänze
2. Scriptkiddie
3. Leo
4. Alexander

18 Jänner, 2006

Stillleben im Werden, X

7.1.06
12,25
Mit aufgerissenen Augen die Stunden vorgerückt. Nach dem Aufwachen erkannte ich keinen Sinn mein Bett zu verlassen, niemand würde auf mich warten, ersehnen, vermissen. Mein Leben ist mir zurück gegeben und ich weiß nicht, wie ich es führen soll.
Das Radio entbietet mir keine Hilfe, erzählt es doch mir vom Vergangen -alles, was aus des Sprechers Mund fließt, gehört doch im selben Moment schon wieder seiner Vergangenheit an. Ich lebe im Perfect, glaube nicht mehr an die Zukunft, die doch nur eine Aneinanderreihung von Momenten, die zwischen Gelebtem und zu Lebenden stehen, ist.
Der Vergangenheit bin ich Sklave, im Kerker meiner Erinnerungen gefangen. Auf sie traue ich, ihr geb' ich mich hin, sie hab ich ja gelebt und die Wahrheit erfahren, ihr Teil war ich.
Der Zukunft bin ich Feiglich, Augenabwender, kann ihr nicht ins Gesicht sehen.
Erträumen, ja, kann ich sie, und tue es; schließe meine Augen und stelle sie meinem Geiste vor. Doch geöffnet erblicken meine Seher nichts als Leere, nichts als Nichts.
So könnte man gedacht werden (kein subiectives Empfinden), es handle sich bei ihr um eine Illusion, um bloßes Vor-stellen.
Aber eine dritte Dimension gesellt sich hinzu- die Herzensseite, die mir gebietet, auf diese Zukunft zu vertrauen und ihr meine Lippen auf die Wangen zu drücken. Mein Herz steht zu ihr und gibt ihr die Hand. Ratio betrachtet alles zweifelnden Auges und aus sicherer Entfernung. Öfter als ihr lieb setzt sie einen Schritt in der beiden Richtung, doch als sie, eigentlich freundschaftlich einladend, aufsehen, tastet sie sich sofort zurück.
Völlig auf sie vertrauen kann sie wohl erst den zweien, wenn sich eine Viere in ihre Mitte stellt, - die Gegenwart, der Zukunft auf die Schulter klopfend
'ich hab dich eingeholt'.

Ich selbst habe mich überholt, verliere mich in Silbenspiralen, die ihre Stränge um mich ziehen und mich bewegungsunfähig machen. Hat etwas Selbstbemitleidendes, in Worten, Wörtern, seine Ausflucht zu finden, meine Verständnisse, meine Gefährten. Doch sind sie es mir unwiderlegbar, denn im Schweigen sind sie die einzigen, die zuhören, mich verstehen und mir antworten.

Stille führt den besten Dialog mit einer Wortlosen.

Stillleben im Nachhinein, IX

6.1.06
15,00
Dahingeschieden, Lippen und Herz nachgeworfen. Zum zu often Male alleine gelassen.
Im Alleinsein fressen dich durchlebte Gefühle und noch zu lebende Gedanken ein nächstes Mal auf. -
Nicht ein selbstauferlegtes Gebot, die Jammerei und Nachheulerei mir zu ersparen hat mir zum Erfolg geboten. Stark geblieben bin ich wohl - eine Minute.
Aus den Armen gelöst hinunter gestiegen in die kalte Tiefe eines Bahnhofdurchganges; den Blick auf seine eigenen Füße fixiert wandelt so der Schatten ohne seinen Träger in die Dunkelheit. Dessen nicht genug, scheint noch einmal die Sonne auf und bindet den Schatten für Sekunden an seinen einstigen Besitzer - reißt ihn grausam wieder von ihm, als der Blick sich abwendet, eine winkende Hand eingesperrt hinter Glas bleibt zurück. Traurigkeit, aus Augen gepresst, die der zweiten entsafteten in der Luft begegnet, die Hände ergreifend und zur mitgeschwungenen Stille tänzelt. Herzenverbundenheit.

Im Auto greifen mich das plötzliche Gewahrwerden meines so kleinlebigen Alleineseins und das zerfressende Schweigen an. Mit Tränen beschieße ich beide, doch zu meinem Erschrecken stellen sich die Salztropfen auf ihre Seite.
Zu keiner Wher mehr fähig, da sitz ich, da und doch weg, verzweifelt die Musik lauter drehend um zu Vergessen - jedes Lied doch in der Gänze Gegenwart gehört erzielt wieder das Gegentei und in anderen Augen Zuflucht suche ich.
Ein alter Mann bemerkt meinen Hilfeschrei nicht, starrt auf seine brauen Schuhe, auf den Boden und pflanzt dorthinein einen Blicksprössling, sieht auf - lässt ihn wachsen - und lächelt in meine Richtung. Verlegen versuche ich zurückzugrinsen, drücke den Fuß runter, starte, fahre. Gefühllos den Weg durch die Stadt, an den restlichen Heimweg wenig Erinnerung- kalt war es, grau war es, allein war es -das Auto abgestellt, im Bett nun liegend. Kopfweh quält mich, und dämonisches Heimweh

-- ich bin zu Hause, - ?

Heim ist, wo das Herz ist - im IC 630?




22,30
Warum schließen Menschen beim Küssen ihre Augen? Nicht erinnert sie ein Gefühlshunger mehr spüren zu wollen daran, sondern wie von Amors Hand schließen sich die Augendeckel, als könnte man beim Aufschlagen auf die eigene Haut den anderen selbst spüren.
Ewigkeiten können vergehen, ehe man sich dessen bewußt wird und im Versuch die Lider aufzureißen scheitert man, als die Lichtstrahlen auf das Gesicht des Gegenübers treffen: So in sich ruhend, doch in Wirklichkeit jeden Muskel angespannt, es gleicht einem Tanzsaale, so viele einzelne drehen, springen, entfesseln sich da; die Muskeln an der Stirn brechen wie Wellen einander, Fältchen des Angespanntseins durchkreuzen sie auf ihrem Weg zur die meine kitzlenden Nase, die gräbt sich tief in mein Antlitz.
Tiefer noch gräbt sich der Anblick der auf- und abzitternden Wimpern, die scheinbar mit dem selben Problem zu kämpfen, als es auch meine haben, eisbrecherisch, das Flattern eines Colibris, seinen Honig in hellen Gaumenhallen gefunden, in der wirre Gestalten einander suchen, erspähen, berühren und wieder verlieren, um erneut den anderen zu erstreben.
Das leichte Lösen danach, leicht ist es nicht, ist es doch einer der größten Kraftakte, sondern ein weiches Lösen, offenbart, wenn nicht schon offenst dargelegt, den letzten Rest:
Augenöffnen, Milimeter um Milimeter, Trennen des gemeinsamen Fleisches - ein Blick der von der Unmöglichkeit des wirklichen Lösens, und von der ewigen Verbundenheit spricht, stößt dir einen Stich in dein Du
- im Trennen einig.

Noch etwas Neues lernte ich: das synthetische Licht wenn nicht zu lieben, dann doch zu schätzen, wenigstens zu akzeptieren, hat es ja die Eigenart Leben zu tragen:

Winzige Sonnen schrieben sich in seine Augen, blendeten meine für Sekunden, für Seelenewigkeiten auf Flügeln.
Leuchten mir jedes Mal, wenn Licht auf die Augen fällt und sie waren mir das einzige Licht auf meinen Wegen, ohne sie wäre es selbst im Wald ganzer synthetisch weißer Baumsäulen mir stockdunkel gewesen und ich hätte meine Schritte verloren.
Mit ihnen wandere ich alle Gefahren, alle Hindernisse, und alle Enttäuschungen.
Die Sonne an der Hand, auf meinen Wangen kitzelten die Strahlen die Haut, letzte Reste bohren sich in die Augenwinkel und erzeugen eigene Sonnenkinder, die geifernd mit seinen sich vereinen - einander leuchtend, die anderen jedoch in Dunkelheit umherirrend lassend, diese candela gehört dem leisen Uns.

Stillleben in Oberflächennähe, VIII

22.12
13,34
Ich verrotte immer mehr. Menschen jagen mir Angst ein. Sie stoßen mich ab. Ihr Innerstes sehe ich nicht, aber ihr Äußeres lässt mich schaudern und tut mir Warnung. Von Innen rottet der Anfang, nach außen drängt er erst, wenn alles bereits zerfressen ist.
Umringt von ihnen, von ihren Blicken, von ihren Gerüchen bekomme ich Platzangst.
Heute habe ich mir gewünscht, dieses Menschenthum möge nur nicht so stinken. Man hat, ihren Duft einsaugend, das Gefühl, sowohl Körper als auch Geist verrotte ihnen. Eines der wenigen Male, wo ich mir das Synthetische zurückwünsche. Wer selbst keine Nasen zum Tanzen bringen kann, muss sich eben kitzeln lassen.
Wenige Menschen verbreiten einen Wohlgeruch und lassen dich näher zu ihnen hinrücken. Jene tragen ihn jedoch nicht an ihrem Körper, sondern verzaubern mit parfümierten Gedanken. Tiefe scheint somit mein Lieblingsduft zu sein, dessen Herstullung aber viel zu teuer sein muss, geht man nach der Häufigkeit, weswegen ich seine Zusammensetzung nicht mal erahnen kann, obwohl so abgespeichert im Gedächtnis.

Als wichtigstes Bestimmungsmerkmal, ob denn nun auf das nächste Merkmal zu warten sich lohnt, lässt mich seine Abwesenheit vor Kennenlernen sofort zurückschrecken.
Kann man mir deshalb Oberflächlichkeit zuschreiben?

Muss man zwischen einer Oberflächlichkeit unterscheiden, die nur ein Merkmal zu Grunde liegen hat, und einer, die durch Angst begründet ist, mehr zu erfahren, als man verträgt (versteht)?

Ja, ich bin sehr oberflächlich. Ich sehe, was an der Oberfläche des Gegenübers brach liegt (was ist sonst augenfühlbar?). Aber wenn meine Oberfläche die Unterfläche, die Tiefe ist, die jeder nach außen mit sich trägt, der sie besitzt, so muss doch ein Differenzieren erfolgen?
Ob ich, so frage ich mich aus selbstreflexiven Gründen, auch etwas Derartiges mittrage? Nimmt man (=die Tiefen) mich wahr? Oder schweigt meine Tiefe in sich?
Höre ich mich überhaupt? Ich fühle zumindest. Und ich fühle mich. Ich mich. In mich. Unter die Oberfläche. Ich weiß. Ihr nicht.

Stillleben in Reihe 7, VII

19.12.05
7,04
Und träumerisch sah ich des Hiems Blumen an der vor Kälte zitternden fensternen Scheibe; und wie im tiefsten Traume sah ich den Mond sie erblühen lassen. Wie in einen viel zu früh angebrochenen Frühling strecken sie ihre Köpfe dem nährenden Licht entgegen.
Die vereinzelten Sterne, versprengte Sonnen, die kein Leben mehr schenken, nur mehr Augenreiz auf sich vermögen zu lenken -
hohle Körper, die im Verglühen noch einmal ihr Innerstes nach außen kehren und die letzten Flammen in den Kampf schicken. Der Blumen Eis wird sie auslöschen und in sich spiegeln. Oder sie werden verschluckt vom viel zu grellen synthetischen Licht, das alles Andere in den Schatten der Wirklichkeit stellt.
Sich in den blühenden Fenstern wiederspiegelnd muten sie an, nicht Realität zu sein, sondern letzte Ausgeburten einer Scheinwelt, die sich in den Menschen verliert, sie streifend. So sie, die sich an mir vorbei schieben, und sich meinen Augen nur im Spiegel zeigen. Zu oft hab ich mich gefragt, ob ihre Anwesenheit Wirklichkeit sei, oder ob sie nur durch einen kaputten, überforderten und in Trugbildern untergehenden Geist zu Stande gekommen seien?
Alles sich mir momentan Bietende scheint selbst synthetisch gezeugt, entzieht sich meiner Wahrnehmefähigkeit, ist Neben in der Kälte.

Ein taubes Gefühl in den eisesstarren Fingern bleibt, ein Kitzeln in der Nase, ein Pochen in den Schläfen, müde Augenpaare, die in Ständigkeit geblinzelt werden müssen, um weiterhin ihr Vorhandensein zu fühlen, und ein Geist, der sich an einen weit entfernten Ort wünscht,

-- ein Ort: an dem Stille und Dunkelheit einander zeugt. Echtheit und Mondeslicht.
Ein Leugen.
Ein Atem - es geht weiter.

-in wachsenden Ringen (Ehr' erbietend Rainer Maria),
die dennoch (und glücklicherweise) verklingen.


Das Licht des Busses lässt den Schnee gelb erscheinen, erinnert an das Faulgelb von sich im Lachen versuchenden Menschenzähnen.

Alles wirkt verfälscht, gekünstelt:
-ein Lachen - bloßes Zähnezeigen - Hunde. Elende.

Sektenmitglieder, die einander die Hände reichen, um sich gemeinsam zu verlieren.

Gezüchtete. Geschaffene. Synthetische. Verlorene.

Was für ein Gefühl, vor dem Glase einen lichten Sonnenstrahl auf dunkles, starres Holz treffen zu sehen. Der Kälte atmende Heizkörper atmet an mir vorbei-
gen Eis wachse ich empor, gen flüssig.

17 Jänner, 2006

Entschuldigend

Du auch, Jürgen.


Und du: Fels :-)

Bekenntnis

Gary Moore ist mein Gott.

*schnief*

Verzeih mir, Jürgen!

Kein Lebenssinn mehr

Ich schäme mich.

14 Dezember, 2005

Stillleben in einsamerer Einsamkeit, VI

08:00
Ps.: Stiller ist's jetzt als in der Nacht Sphaeren – umgeben von Menschenstimmen und fremden Blicken, eingehüllt in eine nebelige Wolke voll Erinnerungen, aufbrechbereit, todnah, zu laut für Ohren, die nur des Einen Herzschlag gewöhnt zu hören sind.

15:00
Auf dem Weg. Alles hinter mir lassend, an das ich meine Existenz hänge, verstimmt es mir den Magen. Eigentlich sollte ich hier meinen Niederschlag finden und den Weg zur goldenen Mitte, zu heilsamen Tun

[ja, heute stand ein Besuch im buddhistischen Zentrum am Programm, dessen daraus gewonnene Lehren ich hiermit beginne mich zu ihnen bekennend zu verbreiten-]

gehen und mich in die Gräue des Himmels stürzen. Dennoch wirkt das Grau des kalten Winterdaseins hier, durchlebt in Gemeinsamkeit Hand in Hand, um vieles einladender als die grellste aller Sonnen am blausten Himmel des schönsten Sommertages, der durch leere Waldwege gewandelt sich selbst in einem noch leereren Lächeln verliert.

[Farben hört man.]



Ich fühle mich momentan wie der Waggon des Zuges, in seine Schienen gepresst, gefesselt durch äußere Gesellschaftsbande, die mir erst erlaubt sind sie zu brechen, wenn ich mich ihnen gebeugt habe, was dann einem sinnlosen, letzten Aufbäumen vor dem Tode gleicht.
Ja, die Schule muss beendet werden.

- „sonst bekommst du keinen anständigen Arbeitsplatz -“

[alles Worte aus Mäulern, die es selbst nie geschafft haben und emotionale Minderwertigkeitskomplexe an anderen ausleben müssen, damit noch mehr dieser Erbärmlichkeiten sich im Gasthaus auf ein Bier treffen können

- ich sollte Kellner werden und euch von oben still stehenden Geistes belächeln - ]

Samstag. Heide.
Nach dem Lautsein unter Menschen, die großteils sprechen, um nicht zu vergessen, dass sie sind und gar zu oft noch mit sich selbst (andere könnten ja die lautlosen, nicht über die Lippen geleiteten Worte verstehen und einen Blick tiefer wagen)
- was sich mir wie ein Sprachkadaver entgegenstreckte -
in völlige Stille kommen. Überwältigt.
Ein Dämmern, - barfuss kommt die Nacht auf einem Bette orangeroten Glühens eines Himmelskörpers,

[Doch an die Fensterscheiben-
wer malte die Blätter da?
Ihr lacht wohl über den Träumer,
der Blumen im Winter sah – Winterreise]

der seine letzten Kraftstrahlen dir aufs Gesicht schleudert, nicht nur Haut, sondern auch die Seele anrührt. Das Ersticken jener im Eis und Klirren gestaltet sich dennoch nicht als Verglühen, da den Blick auf kurzzeitiges Vergehen vorne gerichtet, eine Hand sich mir um den Körper legt, ein Atem die Kälte im Nacken verjagt, geht mir eine neue Sonne seelengestaltlich auf. Den gemeinsamen Blick auf dieses Verschmelzen gerichtet, hat man so das Gefühl in die Ewigkeit einzugehen.



Und die Nacht ist erneut eingezogen. Es scheint mir, als würde sich Beobachtetes durch das Beobachten seines Beobachters beobachtet fühlen und sich in Luft auflösen. Je länger ich auf die weiße Winterlandschaft blickte, desto schneller lag ein verdunkelnder Schleier auf ihr. In Sekundenbruchteilen wurde die Reinheit angerußt und hat sich nun komplett meinen Augen entzogen – als wäre sie nicht da, von einer anderen Existenz geschluckt und am Verdauen.

Nur vereinzelt schiebt sich mit dem schon bekannten Zischen ein Licht am gefühllosen Fenster vorbei. Ein letztes Aufrülpsen?

Neue Weggefährten bei mir.
Meine Freundin, die angestrengt versucht ein Magazin, während laute Musik von ihr dröhnt, zu lesen, vermutet, das nur zu tun, um dem Geschehen neben uns zu entkommen.
Man könnte meinen [Gottesgläubigkeit unbehandelt lassend] der Herr habe Kinderbrut nur auf die Erde geschickt, um die Mußen zu jagen. Dieses Gemurmel, Nerv tötend!!!, dämliche Fragerei, dennoch noch dämlichere Antworterei der Mutter, nervöses Gezappel und wiederum (!!! - welch Pathos) dieser starrende Aussaugeblick...

[habe gerade endgültig beschlossen, nie der Muse noch einen Hetzer auf den Hals zu jagen – NIE!]

Sie haben uns endlich verlassen.
Neue Erkenntnis:
Stille = das Verlassen eines Raumes
Stille = Abwesenheit von Kindern
und: alle Kinder in ein Heim (bis sie die Stille hören) und eine Bombe darauf [debil lächelnd].

Mein Kuli ist beinahe leer.
Ja, mein Freund, wir haben viel durchgestanden. Du bist mir vertraut. Ich fühle mich wohl in der Nähe deines weißen Gummi-Finger-Anti-Abrutsch-Etwas', sowie beim Bemerken, dass sich künstliches Licht in deinem Blau spiegelt und damit sogar Wärme erzeugen kann. Zuweilen habe ich lieber dich in meiner Gesellschaft als Menschentum. Du redest nicht soviel. Du redest nicht mit mir, nicht zu mir. Du denkst nicht, auch nicht mit. Du spuckst nur das auf Papier, was ich im Geiste vor mich hinsabbere. Obwohl auch das nur in aufgewischter Form. Viele Tröpfchen haften noch an mir, viele verlieren sich. Ich stoße Wörter mit dem Blick auf Papier, in den Raum. Ich sehe beim Fenster hinaus und sehe hinter mir gelassene Wörter, schon überfahren vom nächsten Blick.
Wie kann man von einem leeren Raum sprechen, wo doch soviel Gedanken sich in ihm befinden. Ich will gar nicht mehr atmen, weil ich damit andere verschlucke (-was, wenn einer von ihnen eine Krankheit, nicht meine Meinung, hat?).

[Dein Geruch ist beinahe vollständig aus dem Schale entwichen – ich bin genauso alleine, wie dieser Wassertropfen, der eben die Scheibe an der Außenseite des Zuges hinunterollte, und er wird -durchgerüttelt- sich mit anderen irgendwo vereinigen und untergehen in ihnen, außer du regnest weiter auf mich und wir hüpfen in unsere eigene Pfütze]

Warum feiern so viele Menschen Weihnachten (lächelnd ob dieser besinnlichen Zeit frage ich mich das)? Warum feiern sie es nicht in Stille? Im Herzen? Warum muss man Christbäume aufstellen, alles mit Weihnachtsbeleuchtung ausleuchten, wo doch gerade das Dunkle das Schweigende ist, warum singende Figuren aufstellen?
Es gehört eben zur Stimmung?
Kann man nur dann Stimmung erzeugen? Muss das durch äußeres Zutun angeregt werden? Trägt man das nicht mit sich, wenn es einem etwas bedeutet? Muss ich mir von der Gesellschaft / Medien / Industrie sagen lassen, dass jene Zeit gekommen ist? Abgesehen davon, dass für mich selbst das Geschehen nicht von Interesse ist, spüre ich doch, so glaube ich, mehr von diesem Geist in mir, wenn ich in mich kehre und mein eigenes Ich feiern lasse als wenn ich nach vorgegebenen Maßregeln feiere, wie man eben feiert (in nochmaliger dankbarer Anlehnung an Martl H.), kaufen, vor allem bei denen ,die 'guate Woar' haben, was der Masse gefällt, bzw. was ihre Vorgabe des Gefallens sein soll, sich darüber freuen, wie es die Leute in den Fernsehbildschirmen tun (man sucht sich ja kein individuelles Geschenk mehr aus -
'mein Sohn – aha, bitte 2. Gang, Spielkonsolen!'
'meine Tochter – zu den lebensechten Puppen, die sogar weinen, wenn man sie schlägt'
'mein Mann – braucht er ein neues Aftershave?'
meine Frau – wir haben ein total modernes Kochtopfset im Angebot'
...
Nein, es geht gar nicht darum, dem anderen etwas Tiefes zu schenken, scheinbar nur um die eigene Kaufsuchtbefriedigung.

Ich bekomme Kopfweh davon und schenke euch mit Folgendem mein Höchstes, uneigennützig und vollkommen gratis-
Stille.

[für's Erste]
18:33

Stillleben in Einsamkeit, V

12.12.05
23:24
Alleine wieder.
Keine Worte können das ausdrücken, was in mir vorgeht, kein Blick kann diese Kälte widerspiegeln, die in mein Herz eingezogen ist. Jedes Lachen das von mir wahrgenommen wird, verhallt – jedes von mir aufgesetzte Lachen treibt den Dorn, in Erinnerung an gemeinsam Durchlebtes, Seelen Anreißendes, mir tiefer in mein Ich.
Ein Schal, der sich um den Hals windet, einladend, ihn enger zu ziehen, um dieser Pein zu entfliehen – behaftet mit Gerüchen, die sich in jede einzelne Sinneszelle bohren, die mein Hirn mit seinen allein gelassenen Abdrücken aufspießen, die ich an jedem Objekt, das sich mir Momente reflektierend und mich schneidend bietet verzweifelt versuche auszumachen.
Ein Parfum, mir in die Schleimhäute kriechend, das seit je her Frauen ihr tiefstes sexuelles Interesse abeverlant, erinnert mich an allmorgentliches sich 'Frischmachen'

[frisch – aus Taubheit erwacht - war man ja schon seit erster Zusammenkunft, egal in welchem Ausmaße stinkend, verdreckt oder versufft],

das ohne Eile sich ereignen ließ, das, auch wenn ein Anflug von bald vorstellbarem Alltag sich drohend nähere, gewisse Vertrautheit und Nähe schafft. Und dieser Teil einer gemeinsam morgentlich durchlebten Routine klebt nun also an mir, mahnt mich auch zugleich, dass es diese Zeremonie kein letztes Mal geben wird, der morgige Tag gehört mir.
Mir ihm muss ich alleine zu Recht kommen, ihn ohne fremde Hilfe überleben
- ich hasse es! -.
Zigarettenrauch, der einst so beißend, sich nun fast verführerisch seine Bahnen in die Ruhmeshallen meines Gedächtnisses windet. Auch ihn sehne ich hervor, wenn in erwartungs-, ja gar hoffnungsvoller Geste ich den Schal zum Riechen hebe, sogar er ist mir willkomm'ner, wenn auch mit Schmerzen verhasster, Begleiter.
Erinnerungen an Wolken, die aus dem Munde krochen, sich an Händen, meinem Gesicht brachen – in der eiskalten Luft sichtbar wie klirrer Atem, und manchmal so lebensnotwendig wie dieser selbst – jagen mir für Momente jeden Ekel davon und besetzen sie nur mit Bildern von 'Con-existenz'

(nebenbei: Existenz ist ja weit gegriffen und geht von bloßem In-der-Welt-Sein ohne jeglichen Grund, noch Wissen über WARUM, WIE und ÜBERHAUPT, bis hin zu wortreifen Feiern dieser, das sich im Ausleben aller Möglichkeiten, Gedanken und Gefühle manifestiert, und das seinen berechtigten Sinn [kein Streit über die schon zu Tode diskutierte Sinnfrage, bitte] in dieser Welt durch sein reines Vorhandensein bereits erlangt hat – ich spreche von zweiterem).

Ein Gesicht das sich aus der Menge hervorhebt, nervöse Augen auf die Menschenmasse gerichtet, nur in der einen Absicht, das andere zu erblicken, welches sich als sein wahrer Pendant herauskristallisiert hat. Kurzes Aufflackern in den Lichtfänger [ja, hoffnungslose Romantikerin], als endlich sich die Blicke kreuzen. Aufeinanderzubewegen (zusammen geschrieben bietet es ganz ein anderes Bild). In die Arme fallen, Atem ausstoßen, Seufzen, Erleichterung, kurze Stille, Zurücklehnen, ein Blick, ein Kuss, eine Ewigkeit, Stille.

Der erste Kuss soll ja bekanntlich der wichtigste, vielsagendste und alles Weitere bestimmendste sein – war er auch, auch wenn er eigentlich als Verabschiedungsküsschen unter Freunden vorgesehen war, kommt es doch dabei nicht unbedingt auf die Nähe der Lippen als auf die der Herzen an (wahrlich nah und nach außen zappelnd – nun endlich vollbracht).

Will sich jemand, der für Sekundenstücke Teil dieser Ewigkeit war, sich dieser wieder entziehen und auf dem herkömmlichen Weg sich weitertreiben?
Und so traten die Ewigkeitspunkte öfter ein als im bisherigen Leben davor. Im Einander-an-der-Hand-Nehmen – in diesen Grenzzustand übergegangen, lässt sich jedes Hindernis, ob Treppe, U-Bahnen, vollgestopfte Straßen, leere, kussschreiende Gassen, noch kalte Zimmeranstrebungen, überwunden. Selbst das Gespräch mit einem, der mir so fremd schien, weil er das komplette Kontrastleben zu dem meinen führt, ist zu ertragen.
Einfacher Geist, dessen größte Sorgen die Futterrationen des vierbeinigen Mannersatzes (Puppi!), die Drogen umhafteten Liebesbeziehungen der ihn verachtenden, geldgiereigen Tochter, und das Happy End in der Fernsehserie 'Julia – Wege zum Glück' sind, der noch nie nur einen einzigen Kubikmilimeter meiner Luft geatmet hat, und der jede Aussage (abgesehen davon, dass jedes gesprochene Wort, das sich nicht auf den Geist selbst oder seine drei Lebensinhalte bezieht, beinhart ignoriert wird), die eines Wiederholen im Geiste – o zu einfach jener! - bedürfe, mit einfältigem Lächeln belohnt – überschweifend zum Preis eines singenden und sich bewegenden Weihnachtsmannes, Capserl nannte der Geist ihn, mit Saxophon.
In diesem Geistesvakuum (erneuten Dank an F.) habe ich meine Existenz wahrhaft wieder gelernt zu feiern

[- kurzes Augenschließen und Rekapitulieren des sich da Ereigneten, mit Gänsehaut hinfühlend]

Eine warme Hand auf meinem Gesicht, das sich dieser bittend entgegenstreckt, eine warme Hand auf meiner Haut, die nach noch mehr Berührung lechzt. Völliges Einswerde, das keine Trennung mehr ermöglicht ohne Absterben des Einzelnen. Es sind diese Momente, Augenstreifen und darin Versinken, Stoßlaute, die gellend nach mehr, nach allem schreien, Händegreifen, in Extase Halt suchend und Krallen in den anderen, um tiefer in die Tiefe gelangen zu können, die einen den Nähesten noch näher bringen.
Erleichterung und Zweie -
 Gänze.
Eine Nacht in den Armen des Glückes sich gebettet einschlafend und in den Armen des noch größer gewordenen Glückes aufwachend.
Küsse, viele Gemeinsamkeiten. Ein Frühstück. Zentralfriedhof.
Eine Macht geht aus von einem Grabstein der Inschrift

'In ewiger Liebe verbunden'
Schatzi und Spatzi

Ob so Liebe den Tod überwinden kann? Zumindest tat der Wunsch sich bei mir auf, meine Gänze zur absoluten Ganzheit hin strebend so nie zu verlassen, und vielleicht neu geformt in einem Geist veredelt.
Innenstadt. 'Jonnys'.
Ein dunkles, irisches Pub, das neben dem besten irischen Bier und Whiskey (!) sogar Villacher anbietet. Dort von Genanntem und Chicken Nuggets mit Pommes gesättigt, einer Sms nachgehend, die von einem Freund in nahe gelegenem Lokal spricht.
Bekanntmachung mit zwei neuen Freunden und leider erneuerten Gläsern Bier. Nachdem einige, dem Kellner wohl die Nerven aufreibende, Burschenschaftslieder zu Ende erklungen waren und die baldige Sperrstunde bekannt gegeben, machten wir uns auf den Weg in das nächste und letzte Lokal. Aus Ästhetikgründen wähne ich es besser, Genaues den Ablauf dieses Besuches betreffend unerwähnt zu lassen (würde auch meinem selbst dargestellten Mega-ego schaden) und beginne fortzusetzen beim Heraustreten aus dem Ort der Prüfungen. Arm in Arm, zu dritt einander stützend, - irgendwie- suchend einen Nachtbus, wurde dieser Gang angetreten. Nach langem Torkeln und sicherlich erbärmlichen Auftreten fanden wir auch wohl behalten nach Hause und ohne Zögern ins Bett.
Nebelumwobenes Küsschen und – so erlebt – unmittelbar darauf folgendes Aufwachen (eigentlich Stunden später). Man hat nicht glauben können, dass schon die Sonne sich in das dunkle Zimmer frisst. Und Schädelpochen
[ja, mein erster Kater, der einer Aspirin bedurfte!]!

[In der Zwischenzeit habe ich öfter als gut vier Dutzend Male an deinem Schal gerochen, Gänze,...]

Nachdem an diesem Freitag nach langem darauf Hinarbeiten endlich zwei Bandshirts in unseren Besitz gewandert sind

['unserer Besitz': mittlerweile fällt es mir schwer, etwa während Erzählungen, von einem MIR, ICH zu sprechen, da du doch Teil meiner wardst und bist, den ich nicht einfach rausschneiden kann – es gibt nur mehr das UNS, WIR, das es zu leben gilt!]

-SexPistols und MarilynManson – machte man sich nach Hause zurück gekehrt, bereit, den Abend mit Freunden zu verbringen.
Freunde, bei denen das im Kopf vorgestellte Treffen ein flaues Gefühl im Magen verursacht.
Angst vor Nichtakzeptanz aufgrund vorhergegangener Fehler im Ungang mit dem besten, wie einen Bruder behandelten Freunde.
Nachdem ich gehört hatte, was besagter Blutsbruder über mich geäußert und welche Meinung er mir vertritt, muss ich wohl förmlich nach Angst vor erneuter Ablehnung gestunken haben. Und ein strafender Blick traf mich gleich zu Beginn – vir verstanden einander.
Er wusste, dass ich seine Gedankenwelt erahnte, weil mich schlechtes Gewissen plagte, ich wusste, dass er nur böse sein konnte, da er mir einiges vorhalten könnte.

[Ich war ein Arschloch!]

Er sah zu Boden und wich mir aus. Aber ich bekam Halt von der Gänze. Sie stand zwischen uns und überbrückte die zwei Pole- wir konnten uns gen Ende hin sogar ein Lachen, was sicher nicht nur an den Realitätsverzerrern lag, schenken. Und der Blutsbruder muss auch mitbekommen haben, dass sich zwischen der Gänze und mir so einiges geändert hat, dass ich selbigen Fehler mich zu teilen kein zweites Mal begehen könnte, kann, würde und werde --

[was ich begehen werde sind die träumlichen Straßen zu dir, Gänze, jetzt, nachdem der Stundenzeiger die Zwei überholt hat]

Stillleben im Fortbewegen, IV

7.12.05
18:16
Es wird nie Stille geben. Selbst wenn alle Welt schweigt, wird man es trotzdem leben hören!
Da ist der Mond, der, wenn ich zu ihm aufsehe, mich anspricht, an den ich momentan mein völliges Sein hänge. Manchmal von Wolken umwoben und zur Gänze verdeckt. Schleier und Masken, die ihn vor fremden Blicken schützen sollen. Doch hört die suchende Seele ihn. Er schreit geradezu nach Aufmerksamkeit. Ja, bemerkt werden will er – jedoch nur von denen, die sich genauso verkriechen wollen, wie er. Denen zeigt er sein wahres Gesicht, weil er weiß, dass sie nie richtig hinschauen werden, da er ja in sie zurückstarren könnte.
Unter diesem Mond Menschen, die mehr geheimnisvoll scheinen, als sein gräulich-gelb Weiß. Begrüßungsriten, von denen ich hoffe, sie mögen nie irgendwelchen Außerirdischen
[lächelnd] ins Auge fallen, falls diese im Wunsch zu erfahren, ob die Erde und Menschen eines Weiterlebens würdig, gekommen sind. Jugendliche, braune kurze Haare, ein erwartungsvolles Blicken auf die Bahnhofstreppe, die die Ankommenden in bereits bekannt oder neue Umgebung bringt, gerichtet, suchend, ob denn nicht endlich einer für sie dabei wäre. Und tatsächlich muss da jemand, versteckt für des Zusehers Auge, kommen, denn die Jugendliche fängt an in dicker Winterjacke und den Rucksack wie ein Kreuz auf dem Rücken fast unbeweglich, sich nach vorne zu beugen, die Hände gleich zum Beten erhoben. Das ganze drei Male, ehe sie sich auf eine sich aus der Masse wälzende weitere Jugendliche stürzt. Breites Grinsen, wohl lautes Lachen und Freudenschreie, [aber hier ist es ja still] sie beginnen sich wie wild hin und her zu schaukeln.
Keiner lässt den anderen los und sie bleiben in Bewegung – jung, dynamisch, voller Leben.
Ich dagegen sitze unbeweglich, nein: mein Körper sitzt unbeweglich., bis auf die die Zeichen hinkrätzelnde Hand, da. Lediglich mein Kopf dreht sich selten nach links oben, um meinen lunaren Begleiter noch an meiner Seite zu wissen, und meine Beine wechseln von Zeit zu Zeit ihre Stellung, um nicht Gefahr zu laufen, später, wenn es auf sie ankommt, unbeweglich starr zu sein. Dieses Ankommen arbeitet mein Geist schon stundenlang durch. Deswegen nenne ich mich nicht ein starres, ruhendes Sein. Recht eigentlich laufe ich Marathon in diesen Momenten, springe aus Flugzeugen, fliege ich bis zum Mond. Mein Herz hält schon jetzt die Energie bereit, die es doch erst in knapp drei Stunden brauchen wird. Und jetzt will es sich nur aus dem Hals schlagen, und sich womöglich vor den Zug werfen, um diese Anspannung los zu werden. Mein Herz – bald kannst du deine Sicherheit wieder in Arme und Adern schließen. Am Bahnsteig eins mit einem anderen geworden wirst du dich wieder selbst fühlen.

-“Du sprechend werde ich Ich“- [Buber?]

Martl H., du hast in deiner Philosophie etwas sehr Wichtiges vergessen. Nicht nur der Tod bestimmt uns am meisten, sondern auch das Leben. Und wir erleben nicht nur den Tod am anderen, sondern auch uns selbst. Wie könnte ich mich je ganz finden, wenn es da nicht jemanden gäbe, der mir alle blinden Flecken zeigt?

Ein allein gelebtes Leben ist verlebt.

Und dies sich mir bietende Bild bestätigt mir das:
Eine Frau -40?-, die nicht sie selbst ist. Ihr Handy bestimmt sie. Jedes Piepen wird sofort gierig wahrgenommen und ihre Hand schwebt schneller zum nach ihr rufenden Objekt als meine Augen jemals folgen könnten.
Ihren Kopf auf die linke Hand und zugleich auf die kalte Fensterscheibe gelehnt, verrät sie, wie viel in ihr vorgeht. Sie kann das Ende dieser Zugfahrt nicht mehr erwarten. Als die Verspätungsbekanntgabe aus den Lautsprechern ertönt, stöhnt sie auf und murmelt leider für mich nicht Hörbares in ihr blondes Haar. Die großen Goldohrringe machen den Eindruck, als würden sie ihr das letzte bisschen Hirn aus dem Kopfe ziehen. Die Augen geschlossen und wieder gegen das Glas gelehnt, vermittelt sie einen friedlichen, fast ruhenden Eindruck, aber genau wie ich brodelt es in ihr. Sie bemerkt meine Blicke nun öfters, starrt leer zurück.
Wir verstehen uns, wir sind beide inkomplette Seelen auf unserem Weg zum Ganzen. Wir sind zwar nicht wir selbst, aber nicht allein. Es ist ein Dornenweg, aber wir sind ihn bald gegangen und vorne scheint uns ein Licht -
der Mond leuchtet uns beiden Einsamen wie versprochen den unseren Weg weiter, bis wir unser eigenes Licht strahlen. Aber es braucht ja Anode und Kathode, um den Strom zum Fließen zu bringen. Viel zu viel Widerstände in der Welt, nur Condensatoren, die höchstens Gefühle speichern, nie aber die Möglichkeiten schaffen, weiter selbst zu Kurzschlüssen zu finden.

Ja, und du, Kind, verstehst es nicht. Du zappelst auf deinem Sitz umher, als würdest du um dein Leben schwimmen. Warum starrst du unentwegt zu mir herüber? Willst du mir irgendetwas aussaugen? Ich hab doch sowieso nichts mehr.
Noch nicht.
Außerdem macht es mich nervös, wenn andere mich länger ansehen – als suchten sie Fehler, suchten in mein Inneres und könnten einen weichen Kern treffen, der ihrer Härte nicht gewachsen ist.
Mein Gegenüber nimmt alles ziemlich locker. Der erste, der mir heute ein Lächeln geschenkt hat. Und ich habe nie jemanden so lange seine Zeitung lesen sehen. Wie viel Notizen er wohl schon hineingeschrieben hat? Was er wohl denkt, wenn er – wohl Muße suchend- an seinen Finger rumkaut? Er ist ein faszinierender Mensch, mit gütigen Augen, einem Gesicht, das regelrecht gemacht und verdammt zu strahlen ist. Interessant auch die Sprache seines Handys, das er mir kurz lieh [um meine Gänze anzurufen], und dessen Alter. Mutete Suomi an, über 6 Jahre zählend. Alles in allem bin ich glücklich, ihn mir gegenüber zu haben, auch wenn wir nichts mit einander reden – wir sind uns viel näher als manche Menschen, die ich schon Jahre kenne.

Und mit einem lauten Zischen schiebt sich jede weitere Laterne am fensternen Mir vorbei.
Mir tun die Ohren weh, die Stille hab ich mir anders vorgestellt. Hab ich die überhört? Hab ich sie nicht für mich relativiert?
Und trotzdem ist die allgegenwärtig. Ich höre Uhren an fremden Bahnhöfen ticken – ich höre, trotz der wohl für meine Ohren viel zu lauten Musik, alle Herzen um mich schlagen. Oder ist es mein eigenes, das sich mir in den verschiedensten Tonarten versucht, um später im Canon [zu dir, Gänze] singen zu können?

Warum strahlen die Lampen heller als der Mondbegleiter? Warum muss der Mensch ständig über sich hinaus wachsen? Warum muss er sogar zu ihm fliegen, auf ihm landen? Bildete er sich ein, ihm näher zu kommen, dem Wissen um, oder gar seinem Sinn, das Leben?
Ich finde immer wieder Gründe, die Menschen nicht zu mögen.
Ich möchte dich nie besitzen, du blasses Gesicht über mir. Wir gehören zu einander, aber nicht einander.


20:37
Ich bin allein. Mein Herz hat sich längst verabschiedet, alle ratio ist in den Wind geschossen. Was jetzt noch Macht über irgendetwas hat, ist mein Magen, ist diese Dumpfheit – Instinkt gar?
Meine Begleiter sind immer noch bei mir – das Fensterglas mit Sicherheit mittlerweile zerschmolzen, die Zeitung durchgeblättert, das Kind sich endlich durch Musikhinzugabe beruhigt.
Das macht mir alles nur noch lauter – ich komme mir etwas paranoid vor – nehme ich zu viel wahr? Hören andere das auch? Nur eingebildet?

Still!

Ich höre meinen Takt schlagen. Alles schlägt nach meinem Metrum – die Welt liegt mir zu Füßen, denn ich liebe!

Stillleben im Rausch des Falles, III

30.11.05
Die Dusche ist ein Niagarafall. Nicht was die Menge betrifft. Laut ist sie. Viele Geräusche die auf einander treffen. Ohne Erbarmen. Keinen Umweg um dich. Wasser. Aus dem Duschkopf, schon ein wenig verkalkt auf den Boden. Aber es fällt nicht geradewegs herunter. Es kämpft sich durch dampfige Luft. Voller Träume. Trifft auf Gedankensplitter, Ideentrümmer und Geisteskonstrukte, windet sich durch Herzensruinen auf Straßen, die nie ein Ende gefunden haben werden, reißt Stockwerke nieder, die in den Himmel führen könnten. Mit einem zerrissenen PLATSCH schwappt es alles auf den kalten Boden. Wie ein Spiegel, der hinunterfallend zu Boden, beabsichtigt bald erneut zusammengebaut zu sein, sich geradewegs die Mühe gibt, in noch mehr Splitter gehauen zu werden, damit ja niemand erkenne, dass er nicht echt sei. Abbild. Unter dieses Wasser stelle ich meinen Körper. Wasche ich mich rein, befreie ich mich von allen Tugenden. Zu viel Fremdes über den Tag aufgenommen. Die Nacht bringt immer wieder die Gelegenheit mit sich, sich selbst zu erfahren. Von Stunde zu Stunde des Tages nehmen wir andere in uns auf und verdrängen das Eigen. Dort ein Gedanke. Da eine Meinung. Dort ein Gefühl. Das muss ich dir unbedingt erzählen. Du wirst es mir nicht glauben. Rate mal. Ja, nur her mit eurem Innersten, ich bin selbst ja leer und kann so einiges schlucken. Abfalleimer. Ihr wisst ja, dass ihr auf mich treten müsst, um mir mein Maul stopfen zu können. Wasser stopft auch. Aber es stopft euch aus. Hängt euch wie Jagdtrophäen an meine Wand. Aus jeder Pore rinnt ihr mir. In den Abfluss. Jetzt weiß ich, warum es dort unten so stinkt. Vielleicht sollte ich mich mal hinzuhauen. Ätzen. Reinlichkeit. Wie Wasser es hinterlassen sollte. Tropfen. Wie Regen. 0.22. Ich habe keinen Regenschirm. Ich höre ein Gefühl in meinem Bett schlagen. Es versteckt sich unter meiner Decke. Es pocht. Hirnsturz. Höre auf. Stelle dich ab. Hinlage. Hörst du nicht die Stille, wie sie ruft? Antworte. Und es wird noch stilliger!

Stillleben in der Schule, II

29.11.05
Der Tag beginnt jetzt. 11.45. Vorher nichts. Eine Stimme über den internationalen Handel. Ein RitterSport wird geknackt. Neben dem steten Klicken der Mauls – mal schneller, mal gar nicht- wird die Stimme nur vom Beißen auf Bonbons und Schultaschenöffnen durchbrochen. Ein Zettel wird hoch genommen. Ein Kugelschreiber gedrückt. Irgendjemand schneidet Papier mit einem Messer. Überkreuzte Füße, die mir einschlafen. Wechseln. Hinabsetzen auf den Boden. Ranrücken des Stuhles. Ein anderer knarrt. Ein zustimmendes Brummen – irgendein Thema bezeichnend. Ein Ellebogen auf den Tisch gelegt, der wackelt. Greifen nach Müll. Spiel eines Bleistiftes in der Hand mit dem Tisch. Geldzählen. Sich strecken. Das Spielen mit einer Kette, umblätternd. Dazwischen das Klicken. Herabwürdigende Blicke streifen die Mauls, oder das RitterSportstückchen das zwischen gierigen Lippen verschwindet. Neid? Hunger? Ein Reißverschluss neben mir auf und ab gezogen. Räuspern. Papierrascheln. Durchblättern einer Mappe. Die Hand des Redners am Tisch. Sein Papier in der Luft – mit den Händen wirbelnd. Seufzen und lautes Ausatmen. 3. Punkt. Einwand von rechts. Lehrer. Zustimmen und Erklärung. Kein Bemerken von links. Zufriedenheit rechts. Genauerer Erklärung bedürfend, mich aber nicht äußernd. Über die Hose streifen. Klicken. Sprache zur Klasse. Terms of Trade. Rohstoffe und Fertigprodukte. Nona. Mhhhh... Aufreißen eines Plastiksackerls. Nagen am Bleistift. Mit den Haaren spielend. Den Kopf auf die linke Hand gestützt. Lächeln ob der brasilianischen Computerindustrie. Abwischen der Fussel am Pullover. Handpositionenwechsel. Fingerspiel. Vorbeugen am Sessel. Kratzen des Kopfes. Greifen nach Süßem in der Schultasche. Klicken. Dreimal. Schnell. Laut im Vordergrund der Stimme. Ins Federpennal greifend. Anfangen zu zeichnen. Das Schweizerkreuz wird grau. Tiefe Männerstimme steht im Gegensatz zum Schnee vor dem Fenster. Selten bricht ein Teil auf den Boden. Kurzes Husten. Viel unruhiger im Gesamten. Öffnen einer Cappyflasche – Trinken. Haribo danach. Sesselknarren, Klicken, Zettel, Bleistift, Schokolade – alles. Viel bewegt sich. Ein Balken am Bildschirm. Die Hand auf der Maus. Ein Euro über den Tisch. Die sich schwingenden Referatszettel. Ein Muskel – viele – meine Finger. Ein Auf- und Abzittern, nach rechts, am Ende der Zeile wieder schnell nach links. Ein Kugelschreiber, alle Zeilenenden ein wenig weiter gedreht. Meine Augen, die sich schließen. Die angepeilte Uhr. 12.06. Ungläubigkeit. Lange. Langsam. Aber still ist es.
Für jetzt damit zufrieden, dass nach der Analyse der Geräusche, sie mir verschwinden. Hör dir ein Geräusch an, und du bildest dir bald ein, du habest dich verhört.

Stillleben in seinen Anfängen, I

Nun Fragmente des "Stilllebens", an dem ich schon einige Zeit schreibe, aber erst jetzt Zeit finde, es ins Netz zu stellen. Es wird auch in Zukunft erweitert werden und sich vielleicht irgendwann einmal zu einem Ganzen fügen...




28.11.05
Was macht Stille überhaupt aus? Leisigkeit [Ja, das ist gewollt!]? Geräuschlosigkeit? Wie leise, wie geräuschlos genau muss etwas sein, um ihm dieses Attribut zuzuschreiben. Es ist still.
Lacrimosa dringt aus dem Lautsprecher – LAUT, bombastisch, mich in die Klangwolke einhüllend. Die dumpfen Töne des Basses, ausgespuckt von meinem Subwoofer (nebenbei: klingt das Wort 'woofer' nicht unglaublich weich? Freundlich? Irgendwie still?), lassen den Raum zum Rhythmus beben.
Es ist still. Ich höre die Musik nicht. Sie kriecht in mein Ohr, ja – aber internalisiert habe ich sie nicht. Es ist, als wären in zwei verschiedenen Räumen. Als wären wir zwei verschiedene Menschen. Sie lebt, um gehört zu werden. Sie will, dass ich sie wahrnehme. Lebe ich, um sie zu vernehmen? Ich stecke mir meine Finger in die Ohren. Ich höre sie nicht mehr. Aber mein Herz klopft weiter sein monotones Metrum. Ich lebe noch. Ich bin ein freier Mensch. Selbstbestimmt. Ich greife zum Mineralwasser. Nehme einen kräftigen Schluck. Das Hinunterschlucken geschieht leise. Das Hinstellen hinterlässt keinen Ton im Raum. Viel lauter kommt mir der erneute Blick auf die Flasche vor. Viel intensiver hämmert mir jener. Ich schalte das Lied weiter, es ist mir zu langsam, zu leise. Ich dröhne mich zu. Brauche das, kurz vor 00.00 Uhr. Will nicht schlafen, viel lieber in die Ewigkeit eingehen. Ein Klavier, sich leise erhebend aus dem Hintergrund einer Geige, zwischen zwei dumpfen Tönen wechselnd, die Geige ablösend und sich durch das Lied weiter windend. Immer die selbe Melodie. Einfach gehalten, ins Ohr gehend trotzdem. Schneller nun. Höher. Tiefer – tiefere Klänge. Mehr Töne, aufbrausend, über mich herein brechend. Plötzlich leise und ganz hoch werdend, wie eine Kinderstimme. Das Thema wiederholt sich. Gewinnt an Kraft dadurch. Ein Blick auf die Uhr – 2 min vergangen. Die Stimme setzt ein. Kraftlos und unter dem Klavierton zusammenbrechend. Eine Schwere in des Mannes Stimme, Schmerz. Angst scheint ihn zu besitzen. Seine Stimme wird unsagbar hoch, aber wird eindringlicher. Das Klavier ihn nun begleitend, nicht verschluckend. Mein Ohr juckt. Plötzlich die fröhliche Melodie, die sich in eine traurige, schnelle wandelt. Themenwechsel. Neue Strophe. Alles wieder von vorne. Nächstes Lied. Ein neuer Schluck von dem Wasser. Ein Ton, ein EKG das erbarmungslos sich mir ins Hirn bohrt. Eine krächzende, sterbende Stimme, die ihr Elend klagt. Das EKG hört nicht auf. Es tut mir weh, ich schalte weiter. Eine Orgel. Seelenbalsam. Langsam. Eine Stimme die sich hineinbohrt – 'einsam' schreit – und die Orgel mit einem Male schneller werden lässt. Keinen Gefallen an dem Stimmungswechsel findend, suche ich weiter. Ich stehe auf, um mir etwas an zu ziehen. Um mir meine Haare zu föhnen. Dabei merke ich, wie viel der Föhn an Geräuschen schluckt. Es war fast lautlos, als ich ihn an mein Ohr hielt. Nachdem ich ihn wieder abgeschaltet hatte, kam die Geräuschkulisse zurück. Der Heizkörper. Der Computer, vor sich hin rauschend. Die Schritte meiner Eltern über mir. Der Atem des neben mir liegenden Hundes. Wer kam eigentlich auf die Idee ein Wort 'Stille' zu erfinden. Stille ist doch nichts anderes als das Fehlen jeglichen Geräusches. Warum eine eigene Bezeichnung dafür? Vor allem – macht stille nicht selbst ihre eigenen Geräusche? Wenn absolute Stille in einem Raum herrscht, hat man nicht das Gefühl, man werde erdrückt, man fängt an diese Stille wahrzunehmen. Man hört sie. Man sieht sie, man fühlt sie und verstärkt sie. Stille macht uns paranoid. Ich verstehe zunehmend, warum manche Menschen (vorurteilshaft alte Menschen) nicht alleine sein wollen, mit ihrer Stille. Kein Mensch um sie haben sie diese als ihren einzigen Freund.
Stille ist eine Illusion – Wasser trinkend – die wir erfinden, um nicht zuhören zu müssen. Ich höre Schubert und finde mich in Träumen wieder. Phantasien bringen mich weiter, in andere Welten. Bringen mich meinem eigenen Herzen nahe. Ohne Musik, ohne Töne – wer könnt' da leben? Niemals die Sonne hören? Ja -sie hören. Sehen kann sie so mancher, aber hören – das ist ein schwierig Unterfangen. Blumen, aus dem Boden gelockt, sind ihre Klangkörper. Rufe aufgeweckter Tiere, Lachen des Menschen. Hellhörig wohl aus Langeweile. Hungrig und aufstehend, um die letzten Biskotten zu holen, die vom Tiramisu noch übrig geblieben. Das Rascheln beim Auspacken allein schon ein sättigender Genuss. 00.17, gerade eben 00.18 zeigt meine Uhr. Zum Bett winkt mich mein Hirn. Was hab ich denn schon zu verlieren? Warum sollte ich mich hinlegen? Träumen? Das tu ich hier auch. Schlafen? Kann ich morgen im Bus oder in der Schule auch noch. Nichts Schöneres als mit angezogenen Beinen hier zu sitzen, eine Decke umgeschlungen, noch -da faul- den Bademantel an, mit Gier nach den Zucker bergenden Biskotten abwechselnd mit dem lebenssprudelnden Mineralwasser greifend. Ein Warum tut sich bei mir mit der Zeit gar nicht mehr auf. So nun mal. Ich schreibe weil ich bin und erfahre im Schreiben auch für gewisse kurze Dauer ein Sein. Es nützt mir also etwas. Egoist. Epikureer. Und stolz darauf. Eine neue Playlist für Winamp zusammenstellen. Viel Schubert. Lacrimosa auch noch. Biskotten weg. Mineralwasser greifen und zum Bett hin. Zum Bücherkasten. Handke. Strg+s – Stillleben und speichern. Auf der Suche nach der eigenen Stille sich vorerst damit zufrieden gebend, sie zu leugnen. Schmerzliche Stimme, wunderschönes Versmaß. Letztes Schlucken und aufstehend. Morgen ist heute schon, es gibt noch einiges zu tun und einiges zu hören.

01 November, 2005

Fremd-selbst-bild

Extraversion |||||||||| 40%
Stability |||||||||| 33%
Orderliness |||| 16%
Accommodation |||||||||||| 50%
Interdependence |||||||||||||||| 63%
Intellectual |||||||||||| 50%
Mystical |||||||||||||||| 63%
Artistic |||||||||||||| 56%
Religious || 10%
Hedonism |||||| 30%
Materialism |||||||||||||||| 63%
Narcissism |||| 16%
Adventurousness |||||||||||| 43%
Work ethic |||||||||| 36%
Self absorbed |||||||||||||||| 70%
Conflict seeking |||||||||||||| 56%
Need to dominate |||||||||||| 43%
Romantic |||||||||||||||| 70%
Avoidant |||| 16%
Anti-authority |||||||||||||| 56%
Wealth |||||||||||| 43%
Dependency |||||||||||||||| 63%
Change averse |||||| 30%
Cautiousness |||||| 30%
Individuality |||||||||||||||||| 76%
Sexuality |||||||||| 36%
Peter pan complex |||||| 30%
Physical security |||||||||||||||||| 76%
Physical fitness |||||||||||| 44%
Histrionic |||||| 23%
Paranoia |||||| 30%
Vanity |||||||||||| 43%
Hypersensitivity |||||||||||||||| 70%
Female cliche |||| 16%

Stability results were moderately low which suggests you are worrying, insecure, emotional, and anxious.

Orderliness results were very low which suggests you are overly flexible, improvised, and fun seeking at the expense too often of reliability, work ethic, and long term accomplishment.

Extraversion results were moderately low which suggests you are reclusive, quiet, unassertive, and secretive.


messy, depressed, introverted, feels invisible, does not make friends easily, nihilistic, reveals little about self, fragile, dark, bizarre, feels undesirable, dislikes leadership, reclusive, weird, irritable, frequently second guesses self, unassertive, unsympathetic, low self control, observer, worrying, phobic, suspicious, unproductive, avoidant, negative, bad at saving money, emotionally sensitive, does not like to stand out, dislikes large parties, submissive, daydreamer




Ja... da habt ihr's. Das bin ich. Dank solcher Tests kann ich meinen Blog zusperren, da ich ja nichts mehr erzählen muss. Stattdessen kann ich mein ganzes Leben (gelebt und noch zu leben)durch 128 Fragen zusammenfassen und hier reinstellen.
Dennoch: für Rückfragen bitte den Test streichen und mich kontaktieren, aber bitte nicht vergessen, dass ich secretive, introverted und not much revealing bout myself bin ;-)